Essays zu Heimat und Western

"Die Verheimatlichung der Welt" ist im Februar 2018 erschienen.

Der Rede von einer Verheimatlichung der Welt verweist auf einen idealen Aspekt. Er besteht in der Vorstellung, überall eine Heimat finden zu können, nicht an einen bestimmten Ort und eine bestimmte Kultur gebunden zu sein und darum ständig jene von glücklichem Erfolg gekrönten Entgrenzungen vornehmen zu können, bei denen bisher nur die physikalische Endlichkeit der Erde eine finale Grenze setzt. Die Rede von einer Verheimatlichung der Welt ist zugleich und immer brisant. Denn wohin sich die optimistisch Wandernden auch wenden, fast immer werden sie an Orte gelangen, die zuvor von anderen als ihre Heimat definiert wurden, so dass es zu Konkurrenz und Verhandlungen darüber kommen muss, wer diesen Ort als Heimat betrachten darf.

Western sind dabei jenes widersprüchliche Genre, in dem von Heimatsuche und Heimatverlust erzählt wird. Doch Western, so lautet die Hypothese, konstruieren Identität gerade durch Formen von Migration. Darum handelt dieses Buch von Menschen im Raum. Dieser Raum ist sowohl ein physikalischer, sozialer, metaphorischer und filmischer. Hier finden sich Beispiele von Regionalismus und Nationalismus wie auch eines transnationalen Eklektizismus. Migration wird darum beschrieben als die Verräumlichung einer sozialen Erfahrung.

Die Verheimatlichung der Welt

Buch zu Western und Migration

Im Oktober 2017 erscheint mein neues Buch Die Verheimatlichung der Welt. Fünf Essays zu Western und Migration im Neofelis Verlag Berlin.

Neofelis ist ein junger, ambitionierter Verlag, in dem Geistewissenschaftliches und Belletristik veröffentlicht wird.

Link zum Neofelis Verlag

Utopische Tiere

Ein Essay zu Kate Clark

Im Sommer erschien die neue Ausgabe der Zeitschrift figurationen mit dem Thema "Animal Traces / Tierspuren / Traces animales". Darin ist mein Beitrag der Attraktivität von Tier-Mensch-Verbindungen in der Kunst gewidmet und dieser gehe ich am Beispiel von Kate Clark nach. Die in New York lebende Künstlerin montierte in den vergangenen Jahren Skulpturen, in denen sie auf täuschend echte Weise Anteile von Tierkörpern und Menschenkörpern vereint. In meinem Essay kombiniere ich Fragen zur Herstellung der Skulpturen mit Begriffen wie Grenze und Illusion, Affekt und Reproduzierbarkeit, Spezies und Geschlecht.

"Animal Traces / Tierspuren / Traces Animales", herausgegeben von Manuela Rossini, mit Beiträgen von Julia Bodenburg, Helene Cixous, Kate Clark, Maneesha Deckha, Marijke Denger, Heike Endter, Stefan Herbrechter, Tanja Nusser, Manuela Rossini, Marta Segarra und Jessica Ullrich.

Böhlau Verlag, 2014.

Link zu Kate Clark

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Elisabeth Brockmann

Lichtinstallation

Wenn es dunkel geworden ist in Friedberg, leuchten im Ort die Lichtkästen von Elisabeth Brockmann.
Aus den Mauern öffentlicher Gebäude strahlen ein Jahr lang die von Brockmann fotografierten Gesichter ausrangierter Heiligenfiguren. Man sieht sehr genau die alten Farbschichten, aus denen die Haut, die Falten, die Augen, die vom Alter hängenden Bäckchen, die dichten Wimpern eines Kindes bestehen. Groß wie eine Bahnhofstür ist der Lichtkasten mit einer Jesusfigur, die halb aufgestützt und horchend zu einem Wartehäuschen blickt, während ihr Blutstropfen, rot wie Erdbeermarmelade, auf der Stirn stehen.
Die Arbeiten schwanken zwischen monumentalem Ansatz und provinziellem Präsentationsort, zwischen absurder Falschfarbigkeit und gelungener Illusion, surrealer Kombination und Ernsthaftigkeit.
Elisabeth Brockmann studierte in Düsseldorf bei Gerhard Richter. Sie realisierte Installationen in Städten wie München, Paris, Dresden oder Mannheim und fiel besonders durch ihre großformatigen Lichtkästen auf, in denen sie ihre Fotografien inszeniert.

Die Lichtinstallation "Glück" von Elisabeth Brockmann ist bis zum 31. Dezember 2014 in Friedberg zu sehen.

Florian Thomas

ein neues Buch

Am 12. Dezember wird in der Galerie Wittenbrink in München das neue Buch zur Kunst von Florian Thomas vorgestellt. Es ist trickreich und aufwendig gestaltet, besitzt verschiedene Papiere, ausklappbare Seiten, einen farbigen Schnitt und weitere Überraschungen.

Von Daniel J. Schreiber, dem neuen Direktor des Buchheim Museums in Bernried, stammt ein schön zu lesender, gut argumentierter, leichtfüßiger und anspruchsvoller Text mit der Überschrift "Fotorealismus und Freiheit".

Mein Beitrag besteht aus fünf kurzen Essays zu besonderen Motiven in der Malerei von Florian Thomas: Wasser, Oberflächen, Sehnsucht, Tiere und Straßen.

Florian Thomas: I didn't know what time it was, herausgegeben von Jürgen Krieger, Texte von Daniel J. Schreiber und Heike Endter in deutsch und englisch, Gestaltung von Florian Thomas und Rainald Schwarz, Berlin: Jovis, 2013, Link zum Verlag

Das Buch

von Otto Künzli

Otto Künzli macht Schmuck. Jetzt auch ein Buch, ein dickes. Es hat keine Seite zuviel. Man muss es planvoll halten, kann es aber assoziativ lesen, an festen Tischen oder in der stabilen Seitenlage; bei weniger stabilen Haltungen und Untergründen wirkt es muskelstärkend.

Ein großer Teil des Buches besteht aus Bildern, Fotografien von Schmuck, und es zeigt sich, dass man Otto Künzlis Schmuck tragen, anschauen und dabei - auf gewisse und erfüllende Weise - lesen kann. Das betrifft unter anderem rote Punkte, an's Revers geheftete Goldbarren, um den Hals gelegte Bilderrahmen, Tapetenbroschen oder auch die verblüffend logische Herleitung eines Mehrzweck-Schmuckstückes aus der vergleichenden Betrachtung über ein Schweizer Armeemesser und den Bayerischen Wolpertinger (Cirsensus bavaricus), welche schließlich in das umwerfende Wort "Mehrzwecklosigkeit" mündet.

Zudem findet man in dem Buch schöne, analytische, philosophische, informative Texte verschiedener Autorinnen und Autoren, in denen Ideen erläutert, Historiografien angelegt, Anekdoten weitergegeben und auf ihre kunsthistorische Relevanz abgeklopft werden.

Otto Künzli - Das Buch erschien im März 2013. Link zu Amazon

(Re)Locating the Frontier

Buchvorschau

Filmische Darstellungen des nordamerikanischen Westens spielten, von der Stummfilmzeit bis heute, eine wichtige Rolle in den Filmerfahrungen ganzer Generationen. Die Produktion von Westernfilmen war dabei nie auf die Vereinigten Staaten von Amerika beschränkt. Eine Sammlung von Essays soll die wissenschaftliche Diskussion über die bekannten Traditionen der Hollywood- und Spaghetti-Western hinaus erweitern.
Das Buch (Re)Locating the Frontier - International Western Films wird von Cynthia J. Miller und A. Bowdoin Van Riper herausgegeben und soll im Herbst 2013 bei Scarecrow Press erscheinen. Der Band vereinigt Essays über Western aus Australien, Großbritannien, Irland, Brasilien, Mexiko, Deutschland, Bangladesch, Indien, Dänemark, Türkei, Tschechoslowakei, Ungarn, Japan, Hong Kong und Russland.
Mein Beitrag für diesen Band ist frühen Western mit einem deutschen Hintergrund gewidmet und beschäftigt sich dabei vor allem mit Filmen von Luis Trenker und Fritz Lang.